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Oxford vs. Cambridge: Die wichtigsten Unterschiede

Bewerbung
Die Rivalität zwischen Oxford und Cambridge reicht bis ins späte 13. Jahrhundert zurück – damals fand das erste überlieferte Ruderrennen zwischen den beiden Universitäten statt. Diese historische Konkurrenz zieht sich bis heute durch Wissenschaft, Sport und Kultur. Wie unterscheiden sich die beiden Eliteuniversitäten heute?

Atlas Academy

Veröffentlicht am 20. Januar 2025

Oft als „Oxbridge" in einem Atemzug genannt, zählen die University of Oxford und die University of Cambridge zu den ältesten, wohlhabendsten und angesehensten Universitäten des Vereinigten Königreichs. Beide wurden vor mehr als achthundert Jahren gegründet und waren bis ins 18. Jahrhundert die einzigen Universitäten Englands. Bis heute belegen sie in allen großen internationalen Hochschulrankings Spitzenpositionen und gehören zu den selektivsten Universitäten der Welt. Gemeinsam haben die beiden Institutionen 193 Nobelpreisträgerinnen und -träger hervorgebracht und verleihen jährlich mehr als ein Sechstel aller englischen Vollzeit-Forschungsdoktortitel.
Obwohl die beiden Universitäten vieles gemein haben, ist ihre Rivalität gut dokumentiert – sie geht auf die Gründung der University of Cambridge im Jahr 1209 zurück, als Gelehrte Oxford nach Konflikten mit der Stadtbevölkerung verließen und in Cambridge eine neue akademische Heimat fanden. Bis heute messen sich Oxford- und Cambridge-Studierende in Varsity-Wettkämpfen wie dem berühmten Ruderrennen. Doch abseits dieser sportlichen und traditionellen Rivalität lohnt ein genauerer Blick auf die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Institutionen.
Studienangebot
Beide Universitäten bieten klassische Fächer wie Medizin, Ingenieurwissenschaften, Jura, Geschichte, Alte Sprachen und Mathematik an. Einige Studiengänge sind jedoch nur an einer der beiden Universitäten zu finden. Wer sich für die Naturwissenschaften interessiert, findet in Cambridge den breit angelegten Studiengang „Natural Sciences", der Fächer aus 16 Fachbereichen umfasst und sowohl Physik als auch Biologie einschließt. Oxford hingegen bietet spezialisierte Bachelorstudiengänge in Biochemie, Biologie, Chemie oder Physik an. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist der Studiengang Politics, Philosophy and Economics (PPE), der ausschließlich in Oxford angeboten wird und als besonders selektiv und renommiert gilt.
Prüfungssystem
Beide Universitäten sind für ihre anspruchsvollen Lehrveranstaltungen und Prüfungen bekannt. Dennoch unterscheiden sich die Prüfungsstrukturen: In Cambridge werden Studierende am Ende jedes Studienjahres bewertet, das Abschlusszeugnis ergibt sich also aus der kumulierten Leistung über mehrere Jahre. In Oxford hingegen finden formale Prüfungen am Ende des ersten und des letzten Studienjahres statt, wobei das Ergebnis hauptsächlich von den Abschlussprüfungen des letzten Jahres abhängt.
Lage und Umgebung
Cambridge liegt im flachen Fens-Gebiet in East Anglia und hat mit den Gog Magog Downs eine maximale Erhebung von nur 75 Metern über dem Meeresspiegel. Oxford befindet sich östlich der Cotswolds, einer hügeligen Landschaft mit kleinen Dörfern. Die Niederungen um Cambridge (nur 6 Meter über dem Meeresspiegel, gegenüber 70 Metern bei Oxford) sorgen für häufigen Nebel und Dunst, und die flache Umgebung macht Cambridge auch windiger als Oxford. Was die Einwohnerzahl betrifft, gilt Oxford als größer und lebendiger: Oxford zählt rund 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner, Cambridge etwa 124.000.
Atlas-Mentoren berichten aus erster Hand
Wir haben zwei unserer Mentoren gebeten, Fragen zu ihrem Studium und zum Leben in den beiden Städten zu beantworten: Titas Radzevičius, Biochemie-Studierender im zweiten Jahr am Oriel College, Oxford, und Matas Urbonas, Mathematik-Studierender im Abschlussjahr am Jesus College, Cambridge.

Da man sich im selben Jahr nicht gleichzeitig für Oxford und Cambridge bewerben kann: Welche Faktoren haben für euch den Ausschlag gegeben?

Titas: Der ausschlaggebende Faktor war für mich das Studienangebot selbst. Cambridge bietet mit dem breiter angelegten „Natural Sciences"-Programm eine gute Wahl für alle, die in mehreren MINT-Fächern stark sind. Oxford hingegen hat spezialisierte Programme für diejenigen, die genau wissen, wohin sie wollen. Ich wusste, dass ich Biochemie studieren wollte – die Entscheidung war für mich daher klar: Warum sollte ich Zeit und Energie in Stringtheorie und Strömungslehre investieren, wenn mich Epigenetik und Pharmakologie viel mehr faszinieren? Beide Universitäten sind hochakademisch, und die Kurswahl sollte immer an erster Stelle stehen. Nichts ist schlimmer, als sich von der Atmosphäre blenden zu lassen und dann ein Programm zu studieren, das einen nicht erfüllt.Matas: Für mich spielten zwei kursbezogene Überlegungen eine Rolle: Erstens gilt Mathematik in Cambridge traditionell als besonders stark vertreten – man denke an Newton, Ramanujan, Turing. Zudem gibt es deutlich mehr litauische Mathematikstudierende in Cambridge, was den Zugang zu Insiderwissen erleichtert. Zweitens war ich mir beim Bewerben nicht sicher, ob ich Mathematik oder Physik studieren wollte – Cambridge bietet im ersten Jahr die Möglichkeit, beides zu belegen und sich erst ab dem zweiten Jahr festzulegen. Die richtige Universität zu wählen bedeutet letztlich, den richtigen Studiengang zu finden.

Wie unterscheidet sich das Leben und Studieren in den beiden Städten aus eurer Sicht?

Titas: Die Erfahrung in beiden Städten ist sich ähnlicher, als man vielleicht erwarten würde – letztlich kommt es darauf an, welche einem persönlich mehr liegt. Oxford ist größer als Cambridge, was nicht nur mehr Colleges und beeindruckende Architektur bedeutet, sondern auch die Möglichkeit, dem akademischen Zentrum zu entkommen: das Cowley-Viertel mit seiner kulturellen Vielfalt oder das künstlerisch geprägte Jericho bieten echte Alternativen.Matas: Ich war ehrlich gesagt noch nie in Oxford, kann also keinen direkten Vergleich ziehen. Cambridge hat durch seine Kompaktheit sowohl Vor- als auch Nachteile: Fast alles ist zu Fuß in unter 20 Minuten erreichbar, und die Stadt hat viele Grünflächen. Allerdings fühlt sie sich eher wie ein riesiger Universitätscampus an als wie eine richtige Stadt – es gibt wenig, das nichts mit dem Studentenleben zu tun hat.

Worauf sollten Bewerberinnen und Bewerber bei der Wahl eines Colleges in Oxford oder Cambridge achten?

Titas: Zunächst zählt die Atmosphäre des Colleges. Manche Colleges sind für ihre Partys bekannt, andere sind groß und unterstützen Studierende finanziell großzügig, wieder andere sind kleiner und haben eine engere Gemeinschaft. Ein Großteil des studentischen Alltags spielt sich innerhalb des eigenen Colleges ab – daher ist das Umfeld entscheidend. Ebenso wichtig sind die Tutorinnen und Tutoren, die für die Betreuung zuständig sind. Als ich meine Wahl auf zwei Colleges eingegrenzt hatte, schaute ich mir die Schwerpunkte der jeweiligen Haupttutoren an – einer forschte zu Zellalterung und Seneszenz, der andere zu Erbsen und Pflanzen. Ich überlasse es dir zu raten, welchen ich gewählt habe. Ein letzter Rat: Bewerbt euch nicht per Open Application – wählt gezielt ein College.Matas: Ich stimme Titas in Bezug auf den sozialen Einfluss des Colleges voll zu. Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass es auch collegeinterne Sportvereine und Interessengruppen gibt – es lohnt sich also, zu schauen, wie gut das jeweilige College zu deinen Interessen passt. Außerdem sind manche Colleges internationalen Studierenden gegenüber offener und nehmen proportional mehr internationale Bewerbungen an. Das verbessert nicht unbedingt deine Chancen, kann aber den Start erleichtern – denn die ersten Monate in einer völlig fremden Kultur können überwältigend sein. Rein akademisch gesehen werden die Lehrveranstaltungen vom Fachbereich organisiert, nicht vom College. Die Einzel- oder Kleingruppenbetreuung (Supervisions bzw. Tutorials) wird zwar vom College koordiniert, die Betreuenden selbst wechseln jedoch von Jahr zu Jahr und kommen häufig aus anderen Colleges. Das College hat also wenig Einfluss auf die akademische Erfahrung im engeren Sinne – außer vielleicht die Lage relativ zum eigenen Fachbereich.

Was würdet ihr Studierenden raten, die sich für eine Bewerbung bei Oxbridge interessieren?

Titas: Informiere dich genau, worauf du dich einlässt – es geht nicht nur um ein renommiertes Abschlusszeugnis und malerische Bibliotheken, sondern um das akademisch anspruchsvollste Umfeld in Europa. Überlege außerdem, was du vom Studentenleben erwartest: Die kurzen Terms (8 Wochen) bedeuten, dass alles deutlich intensiver ist und weniger Zeit für das soziale Leben bleibt. Lass dich nicht entmutigen, falls du keine Zusage erhältst – bei diesem Wettbewerb spielt auch Timing und Glück eine Rolle. Beginne früh mit der Vorbereitung, damit du ausreichend Zeit für ein überzeugendes Personal Statement hast. Und hol dir Unterstützung von jemandem, der in Oxbridge studiert oder studiert hat – am besten im gleichen oder einem verwandten Fach. Die scheinbare Offenheit der Aufgabe „Schreib ein Personal Statement" täuscht, und Tipps von jemandem, der auf der anderen Seite war, können entscheidend sein.Matas: Ein paar wichtige Punkte: Du solltest sehr motiviert sein – die Arbeitsbelastung ist intensiv. Plane gut im Voraus: Welche Voraussetzungen werden erwartet? Welche Tests müssen absolviert werden (diese unterscheiden sich zwischen Oxford und Cambridge)? Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Überprüfe außerdem, ob der Studiengang wirklich zu dir passt – andere Universitäten bieten manchmal spezialisiertere Programme an, die besser geeignet sein könnten. Und last but not least: Versuche, mit Studierenden aus Oxbridge in Kontakt zu kommen, die denselben Studiengang belegen, für den du dich interessierst. Sie können dir einen viel realistischeren Einblick in den Alltag geben als jeder Prospekt.

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